Landkreis Kusel,

Die Rheinpfalz vom 24.12.2019

 

Er bringt das Licht: Manuel Stuppy aus Nanzdietschweiler stellt Kerzen her

 

Schon als Messdiener haben Manuel Stuppy aus Nanzdietschweiler die schönen Kerzen in der Kirche fasziniert, nicht nur zu Weihnachten, aber dann ganz besonders. Vor drei Jahren hat der 39-Jährige dann seine Kerzenmanufaktur ins Leben gerufen.

 

Manuel Stuppy verziert Kerzen, gießt sie aber auch. Und möchte sich bald eine Apparatur anschaffen, mit der auch Kerzenziehen und -übergießen möglich sein wird. Hochkonzentriert führt er eine Art Skalpell, schneidet einen feinen Streifen Goldbordüre ab. Er hat keine Eile, ist in seine Arbeit versunken. Mit langen, schlanken Fingern legt er dann den dünnen goldfarbenen Streifen um den grünen Tannenbaum aus Wachsplatte, den er zuvor ausgestochen und bereits auf der dicken, weißen Kerze angebracht hat. „Noch etwas edles Gold“, murmelt er, während er die Konturen nachfährt, um schließlich zu entscheiden: „Und jetzt kommt oben noch ein Stern drauf.“

 

Zu Weihnachten da wird es Licht, da kommt Jesus an, das Licht der Welt. Zu keiner anderen Zeit hat Licht, haben Kerzen eine solch starke Bedeutung. Das Licht von Bethlehem geht um die ganze Welt. Doch können Kerzen ganz verschiedene Bedeutungen haben, erklärt Stuppy.

 

Als Friedenszeichen etwa. Oder zu Ostern, „da geht man ins Licht“, und Jesus von der Erde. „Jede Kerze sollte eine Bedeutung haben“, findet der 39-Jährige, doch gelte eben ganz allgemein: „Eine Kerze strahlt Ruhe aus, auch wenn sie etwas flackert.“

 

 

Altes Handwerk wiederbeleben

 

Kerzen zu verzieren, ist eine seiner Lieblingsarbeiten, gibt Stuppy zu. Doch auch das Herstellen von Kerzen habe seine Reize – und werde hoffentlich bald mehr bei ihm nachgefragt. Denn schließlich sei es auch Teil der Motivation zur Gründung seiner Kerzenmanufaktur gewesen, ein altes Handwerk wiederzubeleben. „Es gibt den anerkannten Lehrberuf Wachszieher oder Wachsbildner“, weiß er. „Allerdings will das kaum noch wer machen.“

 

Für den Verkaufsleiter in einer Fleischerei sind die Kerzen schon mehr als ein Hobby, sie sind seine Passion. Er taucht in eine anderen Welt ein, wenn er in seinem kleinen, sehr sorgfältig aufgeräumten Arbeitszimmer zugange ist. Das befindet sich im Erdgeschoss seines Elternhauses, wo er selbst noch wohnt, in Blickweite der Kirche, deren Fenster im Dunkel so schön bunt herüberleuchten und die ihn so geprägt haben, um zu tun, was er nun tut.

 

Der Schreibtisch steht am Fenster, das jedoch zur Straße raus zeigt. Eine helle Leuchte ermöglicht genaues Arbeiten, verschiedenste Wachsmodellierwerkzeuge sind aufgereiht. Manches davon eher spitz, anderes eher rund und platt. Das hat sich Stuppy ebenso zusammensuchen müssen aus verschiedenem Bastelbedarf oder gar Arztbesteck wie anderes Arbeitszeug – Plätzchenausstecher können beispielsweise hilfreich sein. Vorgefertigtes Spezialwerkzeug gibt es wenig.

 

Auch Bezugsquellen musste er sich suchen: für die Kerzen, die er dann verziert; für die Wachsplatten und Wachssymbole; für Öl- und Acrylfarben, mit denen er Kerzen bemalt, für Paraffin und Stearin sowie Bienenwachs, aus denen er Kerzen gießt. Ganz besonders stolz ist er auf zwei Spezialtöpfe zum Erwärmen des Wachses im Wasserbad. Und dann kam auch noch die viele Mühe zum Erstellen einer Webseite hinzu. Stuppy hat sich ganz schön in seine Kerzenmanufaktur hineingehängt.

 

 

Jede ein Unikat

 

Eine Wachsziehermeisterin aus Bayern stehe ihm hilfreich zur Seite, beantworte alle Fragen gerne, berichtet Stuppy. Bisher kann er verschiedene Formen gießen, auch Sonderformen wie etwa eine Kerze mit zwei Dochten. „Die eignet sich dann für eine Hochzeitskerze“, erklärt er. Bald möchte er sich ein Gestell anschaffen, an dem Kerzen aufgehängt werden können. Vorher werden die Dochte zunächst mehrmals ins heiße Wachs getaucht, dann hängend damit übergossen.

 

Großaufträge könne er (noch) keine annehmen, jede einzelne Kerze ist anders und ein in Handarbeit hergestelltes Unikat. Weiß, mit Farbpigmenten oder mit Glitzer. Mit Verzierungen oder ohne. Das können die Kunden vorgeben – und Ideen mit Stuppy erarbeiten. „Kreativ muss man schon sein, und ein räumliches Denken für die Verhältnisse auf der Kerze haben“, erklärt er.

 

Info

 

www.kerzenmanufaktur-stuppy.de